Econ4Future statt business as usual!

Ökonomische Bildung reformieren:

Aufruf zum Wintersemester 2020/21

Im kommenden Wintersemester werden allein im deutschsprachigen Raum wieder hunderttausende Studierende ökonomische Grundlagenveranstaltungen hören.

Die Corona-Krise unterstreicht abermals die Diskrepanz zwischen diesem Lehrkanon und realen, wirtschaftlichen Prozessen. Sie verdeutlicht, dass Ökonomie immer von ökologischen und sozialen Lebensgrundlagen sowie demokratischen Gestaltungsspielräumen abhängig ist.

So machte der Lockdown der Marktökonomie deren fundamentale Abhängigkeit von anderen Ökonomien sichtbar, wie z.B. staatliche Infrastrukturen, gesellschaftliche Solidarität und unbezahlte Care-Arbeit.

Die besondere Betroffenheit benachteiligter Gruppen oder Regionen legte offen, dass Wohlergehen immer noch maßgeblich durch Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht beeinflusst wird. Dass Gesellschaften durch Umweltzerstörung anfälliger für das Entstehen und die Verbreitung von Pandemien werden, verweist auf die unhintergehbaren Wechselwirkungen zwischen Ökonomie und Ökologie.

Die ökonomische Standardlehre thematisiert all diese Realitäten nicht oder nicht adäquat. Im Falle eines business as usual zum Wintersemester würde deswegen eine weitere Generation von Studierenden daran gehindert, reale wirtschaftliche Probleme verstehen und bewältigen zu lernen – unter anderem jene, die im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie, systemischer Diskriminierung oder der anhaltenden Klimakrise stehen. Eine solche ökonomische Hochschullehre ist nicht zukunftsfähig! Zur Überwindung dieser Krisen braucht es aber dringend zukunftsfähige Ökonom*innen.

Deshalb rufen wir alle Beteiligten – Lehrende, Studierende und Entscheidungsträger*innen – auf, ökonomische Hochschullehre in diesem Wintersemester 2020/2021 zu reformieren.

Die gute Nachricht: Es ist machbar! Denn es gibt zahlreiche Ressourcen, die wir nutzen können:

Lehre verändern

Mittlerweile stehen umfassende Sammlungen von Literatur, didaktischen Materialien und Best-Practice-Beispielen einer pluralen, sozioökonomischen Hochschullehre bereit.

Wir ermutigen Lehrende, sie als Inspiration für die Vorbereitung ihrer Lehre zu nutzen.

Vernetzung & Austausch

Studierende haben sich nach der letzten Finanzkrise organisiert und als Akteure des Wandels institutionalisiert – beispielsweise im Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

Studierende und Lehrende können sich mithilfe dieser Strukturen vernetzen und gemeinsam an einem Wandel der ökonomischen Hochschullehre arbeiten.

Institutioneller Wandel

Schließlich gibt es eine wachsende Zahl von innovativen Bildungsangeboten, deren Existenz beweist, dass eine Transformation ökonomischer Hochschullehre im Kern eine Frage des pädagogischen und bildungspolitischen Willens ist.

Wir fordern Fakultäts- oder Hochschulleitungen sowie Bildungs- und Wissenschaftspolitiker*innen gleichermaßen dazu auf, sich von diesen Innovationen inspirieren zu lassen und eigene Reformen umzusetzen. Diesbezügliche Vorschläge wurden erst kürzlich vorgebracht – siehe Debatte. Es ist höchste Zeit, die Voraussetzungen für einen langfristigen institutionellen Wandel ökonomischer Bildung zu schaffen.

Jetzt unterstützen:

Dieser Aufruf wird bereits unterstützt durch:

Abteilung Wirtschaftswissenschaften & Statistik Arbeiterkammer Wien

Persönliche Standpunkte

LEHRMATERIAL: PLATTFORMEN · LEHRBÜCHER & SAMMELBÄNDER · READER

Inspirationen, es anders zu machen.

Hier finden sich verschiedene Materialien sowie perspektivisch auch best-practice Beispiele, die zur Inspiration für die (eigene) ökonomische Lehre und Kurse verwendet werden können.

Lehrbücher, Reader & Syllabi-Listen

Plattformen

Sammelbände

DEBATTE: IMPULSE · DISKUSSION · REFLEXION

Möglichkeiten schaffen.

Hier finden sich verschiedene Diskussionsbeiträge, die Vorschläge für institutionelle Veränderungen machen sowie konkrete Konsequenzen für Ökonomik und Wirtschaft in den Blick nehmen.

Wissenschaftspolitische Empfehlungen

Debattenimpulse: Economists for Future

Empfehlungen: Neuerscheinungen

ÜBER UNS: ECONOMISTS FOR FUTURE IN DEUTSCHLAND · ÖSTERREICH · SCHWEIZ

Eine Wirtschaft für Mensch und Natur.

Wer?

Economists for Future im deutschsprachigen Raum vernetzt Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft für einen kritisch-konstruktiven Austausch über Wirtschaft, um an der gesellschaftlichen Debatte zu wirtschaftlichen Fragestellungen aktiv teilnehmen zu können und Alternativen zum aktuellen ökonomischen Denken und Handeln zu entwickeln.

Im Zuge der Fridays-for-Future-Demonstrationen sind wir im Frühjahr 2019 aus dem Netzwerk Plurale Ökonomik heraus entstanden und verstehen uns als Teil der internationalen E4F-Bewegung, mit der wir in regelmäßigen Austausch stehen.

Warum?

Aktuelle globale Herausforderungen wie Klimakrise, Pandemien, soziale Ungleichheit und Fluchtmigration sowie die damit verbundenen ökonomischen Krisen, fordern ein wirtschaftliches Umdenken. Das ökonomische Denken muss eine Wirtschaft ermöglichen, die dem Wohle aller dient, ohne Natur und Mensch auszubeuten. Dies erfordert demokratische Wege für eine sozial-ökologische Transformation. Die Entwicklung eines neuen ökonomischen Verständnisses, das Antworten auf die Krisen findet, setzt einen konstruktiv-kritischen Austausch auf Basis vielfältiger Perspektiven voraus.

Wie?

Die bislang ehrenamtlich agierende E4F-Initiativgruppe bemüht sich um den Aufbau von institutionellen Strukturen. Fragen, Anregungen und Unterstützung sind willkommen.

Einige Stimmen aus dem E4F-Team DE: